von Airlinepleiten und Streiks

Was ist los in der Airlinebranche? Die Konjunktur brummt und das Konsumklima ist gut. Warum fliegt eine Airline nach der anderen in die Pleite? Nach ALITALIA und airberlin musste nun auch der Ferienflieger MONARCH, die fünft größte Airline Großbritanniens den Gang in die Insolvenz antreten.

110.000 Monarch-Passagiere sitzen im Ausland fest, weitere 400.000 werden die geplante Reise nicht antreten können, ihre Tickets sind wertlos geworden.

Ein gnadenloser Konkurrenzkampf herrscht in der Airlineindustrie. Der Druck auf die Flugpreise ist enorm. Nur wer mit seinem Preis in den Onlineportalen auf Seite eins steht, hat eine Chance, sein Ticket zu verkaufen.

Die Ticketpreise, die heute am Markt erzielt werden, reichen vielleicht für den Flugbetrieb, eine Absicherung von Risiken wie anfallende Kompensationszahlungen für Passagiere bei Verspätung decken sie garantiert nicht.

Ein Ereignis, welches morgen dazu führt, dass die Kerosinpreise exorbitant steigen würde viele Fluglinien in existenzielle Bedrängnis stürzen. Rücklagen für unvorhergesehene Ereignisse gibt es praktisch nicht.

Flugzeuge müssen fliegen, Tag und Nacht. Nur in der Luft verdienen sie Geld. Lange Bodenzeiten kosten Geld. Immer enger werden die Umlaufzeiten getaktet. Nur wenn das gesamte System wie ein Uhrwerk funktioniert kann die Rechnung betriebswirtschaftlich aufgehen.
Aber im „echten“ Leben funktioniert das Uhrwerk schon lange nicht mehr. Luftraumüberlastung, Wetter, technische Defekte, Vulkane, Streiks, lassen täglich das filigrane Geflecht eines Flugplans aus dem Ruder laufen. Für Verspätungen und Flugausfälle zahlen Airlines in Europa hohe Kompensationsleistungen an die betroffenen Passagiere. Das EU-Recht mit seinen starken Verbraucherschutz macht es möglich.

Kommt ein starkes Arbeitsrecht zur Anwendung, dann bleiben die Flugzeuge oft wegen Tarifauseinandersetzungen am Boden. Unterschiedliche Berufsgruppen wie Piloten, Kabinenbesatzung und Bodenpersonal verhandeln über eigene Tarifverträge und wenn es sein muss streiken sie auch zu unterschiedlichen Zeiten.
In der jüngsten Vergangenheit sind über Nacht auch Epidemien ausgebrochen. Piloten z.B. von TUIFLY oder auch airberlin, sind auf mysteriöse Weise am gleichzeitig erkrankt. Eine Wunderheilung macht es möglich, dass alle auch gleichzeitig wieder gesund wurden. Ein Schelm, wer an einen wilden Streik denkt.

Ist auf Grund der Herkunft eines Fliegers ein „schwaches“ Arbeitsrecht mit an Bord, stellt dies eine Gefahr für die Passagiere dar, z.B. bei Übermüdung,, Überforderung und Überlastung der Besatzung. Fragwürdige Konstrukte, wie selbständige Piloten bei RYANAIR machen Angst. Ein Selbständiger wird nur bezahlt wenn er arbeitet. Setzt er sich auch mit Kopfschmerzen und 40 Grad Fieber ins Cockpit, weil er den Flug (Auftrag) braucht? Die „Süddeutsche“ meldet, daß RYANAIR bis 31.10.2017 ca 2000 Flüge streichen muß, weil die Piloten massenweise davonlaufen.

Auch der „Flughafen“ ist ein permanenter Unsicherheitsfaktor. Als Arbeitgeber ist auch er Tarifauseinandersetzungen ausgesetzt. Sicherheitspersonal, Gepäckabfertigung, Flughafenfeuerwehr usw. usw. können einen Flugbetrieb lahmlegen. Auch in diesen Fällen bleibt hoher wirtschaftlicher Schaden an den Airlines hängen.

Als Dritter im Bunde ist die Flugsicherung zu nennen. Fluglotsen die den Verkehr regeln sollten, streiken täglich irgendwo in Europa. Auch sie sind für Verzögerungen und Ausfälle verantwortlich. Der Passagier hat den Ärger, die Fluglinie den wirtschaftlichen Verlust.

Blick in die Vergangenheit:
Was waren früher die sichtbaren Insignien eines Staates? Neben dem Staatsgebiet, der Verfassung und den Organen brauchte er eine Flagge, eine Hymne, eine Nationalmannschaft und eine nationale Fluglinie. Die Flugpreise waren hoch oder subventioniert, ein Wettbewerb fand praktisch nicht statt.

Heute:
Nach der Liberalisierung des Flugverkehrs buhlen über 700 Airlines allein in Europa um Passagiere. Der hohe Wettbewerb führte zu niedrigen Ticketpreisen. Der Flug ist zum Konsumgut geworden wie die U-Bahnfahrt zur Arbeit. Sogar zum Wettwerfartikel ist er teilweise mutiert. Man kann sich durchaus langfristig ein billiges Ticket sichern ohne zu wissen, ob man die Reise in 10 Monaten auch wirklich antreten wird.

Morgen:
700 Fluglinien wird in Europa sicher niemand brauchen. Ähnlich wie im Strom- oder Telekommunikationssektor wird eine Konsolidierung stattfinden, an deren Ende einige, wenige aber starke Flugunternehmen übrig bleiben. Diese Marktbereinigung wird durch geregelte Übernahmen und Zukäufe aber auch durch weitere Insolvenzfälle erfolgen.

rechtliche Situation:
Reiseveranstalter müssen in der EU dem Kunden bei Abschluss des Reisevertrages einen Sicherungsschein übergeben. Dieser sichert das Geld des Kunden im Falle den Fall einer Insolvenz.
Airlines wehren sich vehement gegen die Einführung einer ähnlichen Versicherung. Anzunehmen ist, dass viele eine Bonitätsprüfung nicht bestehen würden und keinen Versicherer fänden. Ein weiterer und durchaus nachvollziehbarer Grund ist die Tatsache, dass man im Interkontinentalverkehr natürlich auch gegen Wettbewerber außerhalb der EU konkurrenzfähig bleiben muss. Eine Versicherungsprämie würde natürlich die Ticketpreise erhöhen.
Der Gesetzgeber wird den Passagieren kurzfristig das Risiko nicht abnehmen, eine Versicherung oder ein Sicherungsschein wird in absehbarer Zeit nicht kommen. Wer Geld für ein Ticket bezahlt schließt einen Beförderungsvertrag und muss hoffen, dass es seinen Vertragspartner am Tag des Fluges auch noch gibt. Solange hier kein Druck von der Verbraucherseite aufgebaut wird, wird sich nichts ändern.
Einen guten Flug, wo immer es auch hingeht, wünscht Ihr Dieter Ambros, Redakteur Streikradar und GF der ITO-Reise GmbH in Passau www.itoreise.de